Rennberichte > August 2026
LEXWARE MOUNTAINBIKE TEAM - Das Lexware Mountainbike Team bei der Europameisterschaft in Rivera (Schweiz) - Medaillenernte im Tessin - Paul Schehl ist U23-Europameister im Short Track - die Lexware Teammitglieder Elina Benoit, Elias Hückmann und Mikkel Lose erkämpfen sich ebenfalls Medaillen bei der EM
Die Strecke ist wie gemacht für ein Titelrennen, für das Herausfiltern der Besten unter den Guten. Der Kurs in der Nähe von Rivera am Monte Ceneri ist einer der schwierigsten, bekannt für steile Anstiege über natürliche, knifflige Steinpassagen und technisch anspruchsvolle Downhill-Sektionen. 2003 wurden im Tessin die Weltmeistertitel ausgefahren, 2020 folgte eine EM, jetzt erneut. "Paul Erster, Elina Zweite und Elias Dritter, cool oder?", schreibt Lexware-Teammanager Daniel Berhe nach den Entscheidungen im Short Track bei der Europameisterschaft in Rivera. Paul Schehl (Foto oben) ist neuer U23-Europameister, die Schweizerin Elina Benoit wird Zweite bei den U23-Frauen und Elias Hückmann sichert sich die Bronzemedaille bei den Junioren. Anschließend gewinnt Mikkel Lose mit der dänischen Staffel EM-Bronze und Elias holt sich im Cross-Country-Rennen (XCO) seine zweite Bronzemedaille bei den Junioren. Auch Elina Benoit gelingt im XCO-Rennen der U23-Frauen als Dritte erneut der Sprung aufs Podium.
Short Track Junioren: "Da hat er mich im richtigen Moment erwischt"
"Wir sind die letzte Runde komplett durchgebolzt", erzählt Elias Hückmann (Foto oben), "ich bin zufrieden mit meiner Leistung, das Gefühl war gut und das Ergebnis ist es auch". Der 18-Jährige hatte sich im Short Race der Junioren die Bronzemedaille erkämpft. Er war permanent in der Spitzengruppe unterwegs, "ich hatte kein Problem, da mitzufahren". Als die finale Phase begann, entschied ein kurzer Augenblick über die Medaillen: Denn gerade als Elias noch zwei, drei Mal tief durchatmete, bevor er attackieren wollte, kam ihm der Franzose Noa Filippi zuvor und spritete los. Eine Lücke tat sich auf und war nicht mehr zu schließen. "Da hat er mich im richtigen Moment erwischt", gesteht Elias, der drei Sekunden hinter dem Sieger aus Frankreich als Dritter das Ziel erreichte. Sein Fazit ist kurz und dennoch positiv: "super".
Short Track U23-Frauen: "Mein Ziel war auf das Podest zu kommen, das habe ich geschafft"
Die Freude über die Medaille drückte sich bei Elina Benoit in jedem Wort, in jedem Satz aus. "Ich bin mega zufrieden. Mein Ziel war es, auf dem Podest zu stehen, das habe ich geschafft", sagt die Schweizerin, die seit der vergangenen Saison dem Lexware Team angehört. Das Vor-Start-Gefühl war gut, "ich hatte Selbstvertrauen, ich hatte gut trainiert." Und die Beine waren leistungswillig. Sie hielt sich in dem Neun-Runden-Rennen immer unter den ersten fünf auf, war stets gut positioniert. Nach einer Attacke nahm sie wieder etwas Tempo raus, "ich wollte mich nicht kaputt fahren". Als in der letzten Runde die Post abging, war nur ihre Schweizer Landsfrau Lea Huber schneller als Elina, die sich zwei Sekunden zurück die Silbermedaille sicherte: "Also wirklich, ein ganz, ganz starkes Rennen", lobt sie ihre Leistung.
Short Track U23-Männer: "Ich attackierte mit allem, was ich hatte"
Paul Schehl darf sich fortan Europameister nennen. Der Titel hatte in seiner umfangreichen Sammlung noch gefehlt: Weltmeister war er (bei den Junioren) und deutscher Meister schon mehrmals. "Das EM-Trikot bedeutet mir sehr viel, das war ein ziemlich geiles Rennen", sagt der 22-Jährige, der aufgrund seiner zahlreichen Siege im U23-Weltcup in den vergangenen Wochen zum Kreis der EM-Topfavoriten in beiden Disziplinen zählt. Nach einem sehr schnellen Beginn und einem kleinen Vorsprung im Titelrennen der U23 ließ er sich wieder in die Gruppe fallen. Zunächst. Als Paul in der Schlussrunde "mit allem attackierte, was ich hatte", fuhr er "ein paar Sekündchen Vorsprung" heraus, die er bis ins Ziel verteidigte. "Bin mega zufrieden", sagt er, der Erfolg macht Lust auf mehr. "Ich freue mich jetzt auf das Cross-Country-Rennen".
"Das war cool, dass ich mich in einem Short Track mal so gut gefühlt habe", jubelt Khalid Sidahmed. Der Schweizer hatte im Weltcup immer mal wieder Probleme mit dem hohen Tempo und den explosivien Antritten in der kurzen Cross-Country-Variante, bei der EM in Rivera war das anders: "Ich bin von Anfang an vorne mitgefahren", erzählt er nach dem U23-Short-Track, "es hat sich locker angefühlt". Mitte des Rennens hat er sogar angegriffen, "das war leider ein Fehler, der mich Energie und vielleicht den Platz auf dem Podium gekostet hat", sagt er hernach selbstkritisch. Khalid wurde mit 24 Sekunden Rückstand Fünfter, dennoch: So nah dran an den Schnellsten war er in einem Short Track in dieser Saison noch nie. "War ein mega cooles Rennen", sagt er froh gelaunt.
Noel Toth, der wie Khalid Sidahmed Schweizer und Mitglied des Lexware Teams ist, gelang im U23-Short-Track der Sprung in die Top 20. "Ja, das Rennen war okay", sagt der 19-Jährige, der seine zweite Saison in der U23 absolviert, "ich bin mein Tempo gefahren, ich wollte nicht überpacen". Im Feld der 40 war er konstant unterwegs - verbesserte sich von Rang 23 nach der ersten Runde final auf 19. "Leider gab es große Lücken, das hat das Vorkommen schwierig gemacht." Er habe alles gegeben, sagt Noel, das tut er immer und sagt: "Ich bin zufrieden."
Short Track Juniorinnen: "Das hat richtig Spaß gemacht, die Strecke war cool"
Gleiches gilt für Maxi Strittmatter, die im kurzen EM-Rennen der Juniorinnen Elfte wurde. "Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung, schade, der zehnte Platz war sogar noch in Reichweite". Aus der letzten Reihe gestartet, konnte sie sich schnell verbessern. Erwartet hatte sie das nicht, "weil bei dem hohen Tempo im Short Track es oft schwierig ist, nach vorne zu kommen". An dem Tag hat es jedoch wider Erwarten "gut funktioniert": Nach einer Position "um die 20 herum" in der ersten Runde konnte sich die 16-Jährige bis auf auf Rang elf vorschieben. "Das hat richtig Spaß gemacht, die Strecke war cool", sagt Maxi.
EM-Staffelrennen: Mikkel Lose sichert Dänemark die Bronzemedaille
Beim EM-Staffelrennen wurden weder im deutschen noch im Schweizer Sextett Lexware-Teammitglieder eingesetzt. Die Teams werden aus je einer weiblichen Starterin und einem männlichen Vertreter der Klassen U19, U23 und Elite gebildet, die Reihenfolge der Aufstellung obliegt den Mannschaften und bietet taktische Möglichkeiten. Bei den Dänen ging Mikkel Lose als Vertreter der U23-Klasse als Schlussfahrer auf die Strecke. Die Dänen lagen zu diesem Zeitpunkt an vierter Stelle, 40 Sekunden hinter Platz drei zurück. "Meine Aufgabe war, die ukrainische Staffel auf Rang drei einzuholen und den Vorsprung auf Deutschland zu verteidigen", sagt Mikkel. Den ersten Teil der Aufgabe erledigte er bereits am Ende des ersten Anstiegs, als er die ukrainische Juniorin überholte. Obwohl der 21-Jährige nach einer Erkältung "noch nicht bei 100 Prozent" war, gelang ihm auch Teil zwei der Aufgabe: Er verteidigte den Vorsprung auf die deutsche Staffel und sicherte Dänemark Bronze im EM-Staffelrennen.
Cross-Country U23-Frauen: "Die Situation war sehr schwierig im Kopf, aber ich bin konzentriert geblieben"
"Ein super Wochenende für mich, zweimal auf dem Podium. Ich bin sehr zufrieden mit meinen Leistungen", sagt Elina Benoit. Im Cross-Country-Rennen hatte sie gleich nach dem Start "etwas Mühe mit dem ersten Anstieg". Sie fiel zurück, beim ersten Split hatte sie als 14. bereits 18 Sekunden Rückstand auf die Spitze. "Ich bin aber ruhig und geduldig geblieben und nach einer Runde konnte ich die Spitze sehen." Anfangs der dritten von sechs Runden schloss sie zu ihrer Schweizer Landsfrau Monique Halter auf, sie duellierten sich fortan um Rang vier. "Ich habe versucht, konstant und sauber zu fahren", sagt Elina, das ist ihr gelungen. Ende der vierten, anfangs der fünften Runde hatte die 22-jährige Schweizerin Rang drei inne. Sie konnte Monique Halter abschütteln, doch in der Schlussphase wurde der Druck noch einmal maximal groß: Denn nur wenige Sekunden hinter Elina lag die hoch favorisierte Italienerin Valentina Corvi, die zu Beginn des Rennens in Führung liegend aufgrund eines Reifendefekts zurückgefallen war. "Die Situation war sehr schwierig im Kopf. Ich bin aber konzentriert geblieben und habe es sogar geschafft, den Vorsprung auf Corvi auszubauen", erzählt Elina, die sich die Bronzemedaille mit einer großartigen Leistung erkämpfte. "Ich bin stolz auf meine Vielseitigkeit, die ich mit den Medaillen im Short Track und Cross-Country zeigen konnte", sagt sie, "und ich spüre, dass ich mehr und mehr Selbstvertrauen habe".
Cross-Country U23-Männer: "Hinten raus hat es einfach nicht gereicht"
Cross-Country U23-Männer: "Hinten raus hat es einfach nicht gereicht"
Es gibt immer wieder Rennen in diesem Sport, die anders laufen als gedacht. Die Zahl der Widerstände, die auftreten können, ist enorm. Nach der ersten Zeitnahme in Runde eins, die Paul Schehl auf Platz 19 mit 18 Sekunden Rückstand auf die Spitze auswies, war klar, dass zu Beginn etwas passiert sein musste. "Ich bin am Start nicht gleich ins Pedal reingekommen und abgerutscht, dadurch bin ich ziemlich weit zurückgespült worden", erzählt der U23-Weltcupführende. Wenig später das nächste Missgeschick: "Ich habe mit meinem Vorderrad das Pedal eines Konkurrenten mitgenommen." Ergebnis des Malheurs: zwei gebrochene Speichen und eine beschädigte Felge. Paul ist erst einmal weitergefahren und konnte sogar kurzzeitig zur Spitze aufschließen. "Ich habe da aber soviel investiert, dass ich mich dort nicht halten konnte." Er entschloss sich zum Wechsel des beschädigten Vorderrads, was ihn zeitlich weiter zurückwarf. In der Schlussphase habe er sich wieder gefangen, er kam der Bronzemedaille noch einmal sehr nahe, aber es reichte nicht mehr. Paul wurde Vierter, lag zwölf Sekunden hinter Rang drei zurück. "Hinten raus hat es einfach nicht gereicht, aber ich habe ja ein Europameister-Trikot, das aus dem Short Track."
Khalid Sidahmed hatte das Pech, beim Start hinter Paul Schehl zu stehen und dessen Probleme, in das Pedal einzuklicken, ließen auch den Schweizer anfangs nicht vorankommen. Die erste Abfahrt steuerte er so um Platz 20 herum an, "es waren dann nicht so schnelle Leute vor mir, deshalb habe ich schon in der ersten Runde viel Zeit verloren", sagt Khalid. In der zweiten Runde habe er sich dann "einen Platten geschossen", der Weg zur Tech-Zone war weit, von Rang 17 fiel er auf 30 zurück. Mit viel Willen und großer Moral kämpfte er sich in der Schlussphase wieder bis auf Rang 16 vor, doch die Hoffnung auf ein Topresultat war dahin. "Es ist sehr schade, Freunde von mir waren an der Strecke. Ich bin extrem enttäuscht", sagt Khalid, "meine Beine waren gut, ohne den Platten wäre ein Top-fünf-Ergebnis möglich gewesen".
"Es ist schön, nach der lange Pause zurück zu sein"
"Ja, ich habe mit Mikkel gefightet", sagt Noel Toth. Für den Dänen Mikkel Lose war es das erste Cross-Country-Rennen nach seiner Gehirnerschütterung, die aufgrund der Ärzte eine längere Pause nach sich zog. Für ihn sei es ein Test gewesen, wie sein Körper auf Belastungen reagiert. Der Trainingsrückstand sei definitiv spürbar gewesen. Noel testete seinen Körper ebenfalls. Er war am Wettkampfmorgen mit Schluckbeschwerden und geschwollenen Lymphknoten aufgewacht. Er wollte jedoch "die EM nicht einfach sausen lassen" und ging an den Start. Die Wege der beiden Gehandicapten kreuzten sich im Wettkampf auf wundersame Weise. "Dass ich genau am Renntag ein bisschen erkältet war, hat mich nicht davon abgehalten, bis zum Ende zu fighten", sagt der 19-jährige Schweizer, der auf Position 24 das Rennen beendete. Zwölf Sekunden nach ihm erreichte Mikkel als 25. das Ziel: "Kein Rennen, über das man laut erzählen müsste. Es ist aber schön, nach der langen Pause wieder zurück zu sein."
Cross-Country Juniorinnen: "Das war ein gutes Rennen von mir"
Im Rennen der Juniorinnen gab es zahlreiche Stürze. Auch der Wettkampf von Maxi Strittmatter war nicht frei von Komplikationen. "In der letzten Runde hat es mich auch mal kurz hingelegt", erzählt sie, "ich bin gleich wieder aufgestanden, der Sturz hat mich nicht viel Zeit gekostet". Sie hatte nach einem schlechten Start aus der letzten Reihe "von hinten ganz gut aufgeholt. Das war gut". Nicht so gut war, dass sie im Verlauf des Rennens Rückenschmerzen bekam. "Mit dem 16. Platz bin ich aber ganz zufrieden", sagt sie, "das war ein gutes Rennen von mir".
Der Schweizer Khalid Sidahmed erlebte bei der Europameisterschaft Licht und Schatten: Nach einem hervorragenden Short Track, den er auf Rang fünf beendete, warf ihn im Cross-Country-Rennen ein platter Reifen zurück und machte ein Topergebnis zunichte. Er wurde 16.
Das nächste Highlight:
Im Département Haute-Savoie in der Region Auvergne-Rhône-Alpes wird vom 20. bis 23. August der siebte Weltcup der Saison ausgetragen. Am Freitag, 21. August, finden die Short-Track-Rennen statt, am Sonntag, 23. August, folgen von morgens 9 Uhr an die Cross-Country-Entscheidungen. Es ist der letze Weltcup vor der Weltmeisterschaft in Val di Sole (Italien).
Fotos: (c) Staron Photo
Weitere Informationen unter www.lexware-mountainbike-team.de