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MTB News > Mai 2012
GHOST Factory Racing Team: JoJo Techt im Interview: „So ganz ohne könnte ich nicht!“
JoJo, du hast dir bei einem Rodelunfall an deinem 19. Geburtstag einen Brustwirbel gebrochen. Wie geht es dir heute?
Es geht mir von Woche zu Woche wirklich besser. Ich habe hin und wieder noch Schmerzen beim Atmen, da die zweite Operation, bei der die Luft aus dem rechten Lungenflügel ausgelassen werden musste, meinen Körper schon ziemlich mitgenommen hat. Zu Beginn konnte ich nicht sehr lange stehen und verbrachte insgesamt viel Zeit im Liegen. Die Muskulatur am Rücken war einfach noch zu schwach, bücken durfte ich mich erst nach sechs Wochen wieder. Aber es geht definitiv bergauf. Langsam, aber jeden Tag ein kleines Stück und das treibt einen voran. Wenn man weiß, dass die Zeit die Wunden wirklich heilt. Wie gesagt: Im Moment geht es mir gut! Ich kann seit Anfang Mai wieder etwas mit dem Fully auf der Straße fahren. Ich habe selten stärkere Schmerzen und kann mich nahezu normal bewegen. Das macht mich glücklich!
Die gesamte Mountainbike Szene war schockiert von deiner schweren Verletzung zu hören. Wie schwierig war die Situation für dich?
Am Anfang war es schwer – keiner konnte mir genau sagen, wie was verlaufen wird und ob ich wirklich wieder in dieser Form mountainbiken werden könne. Das hat mich natürlich fertig gemacht. Irgendwann kam dann aber der Punkt, an dem ich mich mit meiner Situation abgefunden hatte. Ich konnte nur mein bestes geben, ob beide Operationen klappen würden oder nicht konnte ich sowieso nicht beeinflussen, das lag definitiv an den Ärzten.
Aber es ist alles gut verlaufen, oder?
Ja, zum Glück ist alles gut verlaufen und ich konnte nach drei Wochen Krankenhausaufenthalt wieder nach Hause, wo ich erst mal ein paar weitere Wochen blieb und mich so gut wie möglich versuchte zu erholen. Radfahren ging in dieser Zeit noch nicht. Erst nach längerem Warten setzte ich mich für ein paar Minuten auf die Rolle. Ein bisschen frustrierend, aber immerhin konnte ich überhaupt darauf sitzen und treten… Mehr als zwei Monate nach der letzten Operation konnte ich endlich auf Reha nach Schwangau (Füssen), drei Wochen später glücklicherweise wieder raus!
Kannst du uns deinen Tagesablauf in Schwangau kurz schildern und dabei vor allem auf die Reha- Maßnahmen eingehen?
Der Tagesablauf in der Reha war stets sehr ähnlich. Den Tag über hatte ich zwischen fünf und acht Anwendungen. Gymnastik, Massagen, Nordic-Walking und Krankengymnastik waren alltäglich. Im Gesamten leider eher langweilig, da es mir einfach den Umständen entsprechend schon zu gut ging und ich meistens unterfordert war zwischen den sehr viel älteren Leuten.
Hast du Kontakt zu deinen Teamkameradinnen?
Aber sicher ;) Ich bin sehr froh sie zu haben…
Du warst in Nals und Heubach als Zuschauerin dabei. Mit welchem Gefühl verfolgst du die Rennen?
Natürlich wäre es schön selber fahren zu können, aber man kann nicht alles haben. Wie gesagt, ich bin einfach glücklich wie bisher alles gelaufen ist und komm eigentlich im Moment recht gut klar damit, dass ich eben noch für eine Weile nur auf der Straße unterwegs sein kann. Ich freue mich wenigstens als Zuschauerin dabei sein zu können, so ganz ohne könnte ich das gar nicht – da schaue ich lieber zu.
Was motiviert dich, harte Trainingseinheiten oder im Moment Reha-Maßnahmen durchzuziehen?
Im Moment gibt es weder noch ;) Ich genieße es zurzeit einfach wann ich will und so lang ich will auf dem Rad zu sitzen…
Du bist durch deinen Bruder zum Radsport gekommen. Anfangs unfreiwillig oder? Hast du jetzt den für dich perfekten Sport gefunden?
Ja, anfangs unfreiwillig... es wundert mich manchmal immer noch, wie es eigentlich sein kann, dass man so eine Freude an einem Sport finden kann, den man früher einfach nur schrecklich fand. Aber es ist absolut die perfekte Sportart für mich! Will es nicht mehr missen…
Was sind neben dem Mountainbiken deine Hobbies?
Draußen sein, lesen, Freunde…
Über die Grenzen gehen macht Spaß?
Manchmal ;)
Was sind deine Lieblingsbedingungen während eines Rennens?
Ich lege mich da nicht auf bestimmte Bedingungen fest. Man kann diese meistens sowieso nicht beeinflussen. Es fällt leichter sich mit der jeweiligen einfach abzufinden und anzufreunden…
Dass dir das gelingt konntest du in den letzten Jahren ja schon mehrmals beweisen. Was waren deine größten Erfolge bisher?
Ich war zweimal Deutsche Meisterin, zehnmal Bayerische Meisterin, gewann zweimal Bronze bei der EM und einige Podestplätze bei Weltcups.
Gibt’s da einen Glücksbringer der immer dabei ist?
Nein, eigentlich nicht…
Mit welcher Person würdest du gerne einmal für einen Tag tauschen?
Ich möchte nicht tauschen. Was würde es mir bringen für einen Tag jemand anderes zu sein?! :D
Fotos © Küstenbrück
Weitere Informationen unter www.ghost-factory-racing.com