Hauptmenü
MTB News > März 2012
Mit Laptop und Rolle auf dem Balkon - Wie überwintern Mountainbike-Profis? Nachgefragt bei Rupert Palmberger
Mehr als 2500 Teilnehmer aus ganz Deutschland und den Nachbarländern werden am Wochenende, 2. und 3. Juni 2012, zum 9. MountainBIKE Festival Tegernseer Tal erwartet. Hobbyfahrer wie Profis sind dann wieder am Start. Doch was machen die Cracks eigentlich in der kalten Jahreszeit? Wie überwintern Mountainbike-Profis? Strenge Diät selbst zu Weihnachten? Ein Trainingslager im Ausland nach dem anderen? Langlauf-Einheiten für die Ausdauer? Stundenlanges Rollenfahren? Fitnessstudio?
In diesem Fall ist Rupert Palmberger kein typischer Mountainbike-Profi, obwohl der 24-Jährige gerade von Mallorca zurückgekehrt ist. „Das war jetzt mein zweites Trainingslager überhaupt, und auf der Insel war ich auch noch nie“, sagt der 1,86 Meter große Athlet und lacht – immerhin steht er heuer schon vor seiner zehnten Rennsaison. Das Training baut der Fahrer des Centurion-Vaude-Teams einfach um sein Lehramts-Studium herum. Viel Platz bleibt da allerdings dann auch nicht mehr übrig, außer noch für seine Frau Franzi (22). Studium und Radsport – das spiegelt sich auch in ihrer Wohnung in Oberhausen wider. Sein Cross-, Rennrad und Mountainbike stehen in einem eigenen Kammerl gleich neben dem Arbeitszimmer. Wenn Palmberger wegen Schnees nicht im Umland von Weilheim strampeln kann, sucht er zumindest die frische Luft am Balkon: auf der Rolle - mit Laptop daneben. Weniger zum Lernen, vielmehr zu Ablenkung, Tour de France-Aufzeichnungen oder Wintersport. Das Höchste waren fünf Stunden Rolle am Stück. „Aber Spaß macht das nicht.“
Während des Winters muss der Neunte der Deutschen Marathon-Meisterschaft und Bayerische Vizemeister im Cross nach dem Plan von Teammanager Roman Jördens 15 Stunden pro Woche trainieren. Auf 18000 Kilometer kommt Palmberger so im Jahr, neben 36 Rennen. Laufen ist für den 24-Jährigen keine Alternative. „Das mag ich nicht so gerne.“ Genausowenig wie Langlaufen, was viele Biker als Wintersport bevorzugen. Dann schon eher Skitouren, aufs Hörnle oder auf den Herzogstand. Da ziehen Franzi und Rupert Palmberger, selbst geprüfter Skitourengeher, auch gemeinsam los. „Und beim Runterfahren muss er mich zwischen die Beine nehmen, weil ich ja nicht skifahren kann“, erzählt seine Frau lachend. Zusätzliches Trainingsgewicht also. „Um ein wenig Wettkampfhärte zu bekommen“, streut Palmberger immer wieder Rennen ein, Crossrennen. Auf dem 14. Rang landete der Oberhausener heuer bei der Deutschen Meisterschaft in Berlin.
Was das Essen angeht, gehört der Gewinner der Trans Schwarzwald nicht zu den Asketen unter den Mountainbikern. „Ich ess alles, einen Ernährungsplan gibt’s bei mir nicht.“ Auf Mallorca rüstete er sich für eine Sieben-Stunden-Fahrt mit Rühreiern, Spiegeleiern, drei, vier Scheiben Vollkornbrot, sechs, sieben Pancakes, Müsli mit Joghurt, Semmeln mit Marmelade und Schokocroissants zum Frühstück, dazu Argi+, ein Arginingetränk. „Der Andi Strobel isst wesentlich mehr“, verteidigt sich Palmberger mit Blick auf seinen Teamkollegen. Sein eigenes Ideal-Gewicht liegt bei 73 Kilogramm, bei einer Größe von 1,86 Metern. Weniger darf es auch gar nicht sein, hat er festgestellt: „Wenn ich zu leicht bin, erhol ich mich nicht mehr so leicht.“
Eine Woche braucht Rupert Palmberger, um sich etwa nach dem MountainBIKE-Festival Tegernseer Tal zu erholen. Vor allem im vergangenen Jahr: Gerade eben als Zweiter der Trans Germany zurückgekehrt, entschloss er sich in der selben Nacht, am nächsten Tag am Tegernsee an den Start zu gehen. „Da bin ich am Anfang voll eingegangen“, erinnert sich der 24-Jährige. Doch nach und nach machte sich seine Ausdauer bemerkbar, und er sammelte alle ein. Am Ende stand ein zweiter Platz auf der C-Strecke. Palmberger startet gerne am Tegernsee. „Das ist ja wie ein Heimrennen für mich.“ 2009 gewann der künftige Gymnasiums-Lehrer für Deutsch und Geschichte auf der B-Strecke, 2010 wurde er Zweiter auf der D-Strecke. Auch dass beim Mountainbike-Festival viele Zuschauer an den Strecken sind, freut ihn. Für die Traumlandschaft, das schöne Panorama dagegen hat er keinen Blick übrig. „Davon kriegt man nix mit, man muss sich konzentrieren. Denken geht nicht viel.“
Beim City-Bike Marathon in München im April steigt er in die Saison ein. Neben dem Mountainbike-Festival am Tegernsee startet Palmberger bei der Trans Schwarzwald, der Deutschen Meisterschaft und der Transalp. Seine Fernziele sind Malaysia, Brasilien und Cape Epic. Das Rad muss immer mit. Nur bei der Hochzeitsreise nach Madeira blieb das Bike zu Hause. „Dafür hat er aber ständig bemerkt, was für schöne Trails Madeira hat, und nach drei Tagen hat er’s Zittern begonnen“, sagt seine Frau schmunzelnd. Irgendwie ist Rupert Palmberger eben doch ein typischer Mountainbike-Profi.
Zum neunten Mal veranstaltet die Sport-Eventagentur flowmotion heuer das MountainBIKE Festival Tegernseer Tal, mit Sport Scheck als Titelsponsor und der Mediengruppe Münchner Merkur/tz als Medienpartner.
Das Programm:
Samstag, 2. Juni 2012
ab 8 Uhr: Akkreditierungs- und Nachmeldemöglichkeiten vor Ort
ab 12 Uhr: Start des kids on bike MTB Cup
ab 15 Uhr Start des MTB Nightsprint
ab 16 Uhr: MTB Hillclimb
ab 18 Uhr: Pasta-Party
ab 19 Uhr: MTB Nightsprint
Sonntag, 3. Juni 2012
ab 8 Uhr: Bike-Expo
ca. 9 Uhr: Start Strecke D (85,69 Kilometer, 3609 Höhenmeter)
ca. 9.30 Uhr: Start Strecke C (68 Kilometer, 2665 Höhenmeter)
ca. 10 Uhr: Start Strecke B (57 Kilometer, 1503 Höhenmeter)
ca. 11.15 Uhr: Start Strecke A (44 Kilometer, 851 Höhenmeter)
ca. 11.30 Uhr: Start Strecke E (33 Kilometer, 295 Höhenmeter)
bis 18 Uhr: After-Race-Party
Zu den Fotos: Schnee hat Rupert Palmberger in den vergangenen Monaten genug begleitet. Fotohinweis: sportograf.
Die Zeit, in der Rupert Palmberger dick eingepackt um Weilheim herum trainierte, ist bald vorbei. Fotohinweis: alpenPR
Weitere Informationen unter www.mtb-festival.de